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Berufswahl - ein
einzigartiges Modell der Minerva
Nirgends beginnt die Vorbereitung auf den richtigen Beruf so
früh wie in den Minerva Schulen Basel. Fast zwei Jahre vor
Ablauf der obligatorischen Schulzeit richtet sich in den
Klassen der Sekundarschule E das Hauptaugenmerk auf die
Frage, welches wird mein künftiger Beruf! Neben dem frühen
Beginn der Berufswahl ist auch die Begleitung der
Jugendlichen während des ganzen Prozesses einzigartig. Mit
Hilfe einer Fachpsychologin werden die Eignungen- und
Neigungen abgeklärt, wird das Lernverhalten untersucht, der
Wissensstand getestet und als Quintessenz dieser Analysen
ein Teil des weiteren Unterrichtes geplant. Diese
individuelle Förderung findet neben der üblichen
Berufsvorbereitung statt. Mit diesem Modell sollen die
Schülerinnen und Schüler bei der Berufswahl optimal
unterstützt werden.
Kein Morgen ohne Schulstress in den drei S4-Klassen! Im
Moment können die Achtklässler der Sekundarschule Niveau E
zeigen, was sie „drauf haben“. Anders formuliert: Die
Schülerinnen und Schüler der S4-Klassen werden auf Herz und
Nieren geprüft. Bereits lange vor Schulabschluss steht für
sie nur eine Frage im Zentrum: Wie geht „die Reise“ ins
Berufsleben weiter? In den kommenden eineinhalb Jahren
müssen sich die Jugendlichen für einen Beruf oder eine
weiterführende Schule entscheiden.
Früher ergaben die erbrachten Schulleistungen in Kombination
mit dem Berufswunsch der Jugendlichen die Wahl. War dann das
Angebot in Form einer Lehrstelle auch noch vorhanden, so kam
es zum Abschluss eines Lehrvertrages. Zahlreiche Berichte
der Gewerbeverbände und der Gewerbeschulen beider Basel über
eine Vielzahl aufgelöster Lehrverträge erschreckten in der
Vergangenheit jedoch immer wieder die Erwachsenenwelt,
insbesondere die Pädagogen. Fazit: Die Wahl des richtigen
Berufes bedarf grösserer Anstrengungen als nur der
Information über die einzelnen Berufe und eines
Leistungsausweises in Form der Zeugnisse.
Die Minerva Schulen Basel reagieren schnell. Seit dem Jahre
2003 führen die Klassenlehrkräfte in Zusammenarbeit mit der
Psychologin Gabrielle Bieber Fähigkeitstests, so genannte
Eignungs-/Neigungsabklärungen durch, die für die
verbleibende Schulzeit von entscheidender Bedeutung sind.
Dabei werden Fragen wie „Welchem Lerntyp entspreche ich? Wie gehe ich konkrete Lernprobleme an? Wozu eigne ich
mich? Welches sind meine Neigungen?" beantwortet. Ein
enorm wichtiger Punkt sei aber auch die Ausdauer und die
Belastbarkeit der Jugendlichen. „Die Berufswelt kennt keine
40 Minuten Lektionen – Durchhalten ist da gefragt!“, meint
die Fachpsychologin.
Neben diesen Fähigkeitstests werden die Jugendlichen auch in
den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik
auf Herz und Nieren geprüft. Bei diesen Prüfungen geht es
darum, allfällige Lücken im Schulstoff der 5. bis 8. Klasse
zu lokalisieren. „Ein Haus baut man ja auch nicht erst vom
zweiten Stock weg in die Höhe. Da müssen wir doch wissen,
wie solide das Fundament ist!“, meint Gabrielle Bieber.
Liegen die Resultate der Fähigkeitsanalysen und der
Fähigkeitstests vor, so findet mit jedem Schüler und jeder
Schülerin ein Einzelgespräch statt. In diesem Gespräch geht
es neben dem Berufswunsch vor allem um die weiteren
eineinhalb Jahre in der Schule, meint die Psychologin: „Ich
zeige den Jugendlichen ihre Stärken auf und gebe ihnen
praktische Umsetzungstipps für den Schulalltag. So fällt
ihnen die Kompensation von Schwächen leichter. Ebenso
besprechen wir den Unterricht im Fach Coaching, wo sie bis
zum Schulabschluss an ihren schulischen Defiziten arbeiten.
Ziel ist, dass die Jugendlichen nachhaltiger und bewusster
lernen können und unter anderem auch ihre Lücken und
Schwächen ausbügeln können!“
Ergänzt werden diese individuellen Fähigkeitsanalysen und
Planungen durch die übliche Berufswahlvorbereitung des
Klassenlehrers. Besuche im Berufsinformations-Zentrum oder
der Kontakt mit Vertretern einzelner Berufsgattungen stehen
genau so auf dem Schulprogramm wie die Schnupperlehren.
Eineinhalb Jahre verbleiben bis zum Schritt ins Berufsleben.
Es bleibt genügend Zeit bis zum Entscheid. Heisst es aber
„Bitte Ruhe“ vor den Klassenzimmern der S4-Klassen, so
dürfte im Zimmer wohl eher der Stress das Zepter führen. |
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Waggis im Kindergarten
In wenigen Tagen hält Frau Fasnacht die Stadt Basel fest in
ihren Händen. Schon seit Wochen bereiten sich die Kleinsten
in der „Minerva Familie“ auf diesen Grossanlass vor. Räppli
und Larven liegen im Kindergarten genau so am Boden wie
Kostüme und Hüte. Doch die Fasnacht soll nicht nur in den
Räumen der Minerva stattfinden. Vielmehr möchte
Kindergärtnerin Songül Polat das typisch Baslerische dieses
Brauches auch in die Familien tragen, denen die Basler
Fasnacht noch fremd ist. Masken sind in Basel Larven,
Konfettis heissen Räppli und der Typ mit der grossen Nase
ist ein Waggis.
Emsiges Treiben herrscht in den Räumen des Kindergartens der
Minerva Schulen Basel. Die Kinder sind soeben aus dem
benachbarten Atelier im Waisenhaus zurückgekehrt. Dort wird
in den nächsten Tagen die grosse Laterne für eine der
unzähligen Cliquen fertig. Noch weiss niemand, was während
der drei Fasnachtstage und -nächte alles von der Laterne
leuchten wird. Erst am Sonntag vor dem „Morgestraich“ kommt
sie an die frische Luft und der Blick auf die Sujets 2010
wird frei. Beeindruckend für die Kinder sind jedoch jetzt
schon ihre Höhe und ihre Farben.
Im Kreis im Kindergarten geht es jetzt um die Figuren, die
die Basler Fasnacht prägen. Ein „Blätzlibajass“, eine „Alte
Tante“, ein „Waggis“ und ein „Dambuur“ sind genau so da wie
ein Harlekin. Die Figuren bieten Anlass für unzählige
Gespräche. Die Geschichte einer verzauberten Trommel und ein
Fasnachtslied dienen als Einstieg ins Thema.
Beim Singen, Hören und Schauen soll es aber nicht bleiben.
Welches Kind möchte sich nicht selbst mal hinter einer Larve
verstecken? Mit Karton, Gummiband und Farbe kreieren die
Kinder dann ihre eigene Larve. „Hier kennen wir keine
Grenzen“, meint Kindergärtnerin Songül Polat. „Wichtig ist
uns der kreative Prozess, und dass wir uns dann hinter der
eigenen Larve verstecken können.“ So werden die Kinder als
Füchse, Katzen oder Prinzessinnen erscheinen.
Am grossen Umzug im Quartier möchte Songül Polat mit den
Kleinen dieses Jahr noch nicht teilnehmen. „Unsere Jüngsten
sind erst drei Jahre alt, sie haben zum Teil noch Angst vor
dem Lärm der Trommeln oder einem Tambourmajor, der einer
Clique den Takt angibt. Unverständlich bleibt für sie,
weshalb der wohl mit seinem Stock so wild in der Luft
herumfuchtelt.“ Trotzdem möchte die Kindergärtnerin die
Fasnachtsfreude aus dem Kindergarten hinaustragen. „Unsere
Route beschränkt sich auf die Gänge des Waisenhauses und auf
das angrenzende Areal“, meint die Vorschulpädagogin. Doch
auch hier müssen die Kleinsten schon einiges lernen. So zum
Beispiel, dass man Räppli auf dem Boden liegen lässt, auch
wenn diese trocken sind. |
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Elternarbeit als Teil der
pädagogischen Arbeit
Schule ist mehr als Unterricht mit Jugendlichen und
Kindern. Wie können wir das Verhältnis von Lehrerschaft und
Elternhaus verbessern? Dieser Frage widmete sich ein Teil
des Kollegiums an den diesjährigen zwei Weiterbildungstagen.
Ausgehend vom Bestseller „Warum unsere Kinder Tyrannen
werden“ von Michael Winterhoff versuchte das Kollegium, die
Nöte und Ängste der Eltern zu verstehen.
Ein anderer Schwerpunkt der Weiterbildungstage richtete das
Augenmerk auf die Gruppenbildenden Prozesse der
Erlebnispädagogik. Beim Besuch im Waldseilgarten in Freiburg
wurde das ganze Kollegium vom Untergang der Titanic
überrascht. Dank des Zusammenhaltes in der Gruppe konnten
jedoch alle gerettet werden.
Elterngespräche gehören zum Schulalltag wie das
Unterrichten selbst. Doch wie gestalten wir diese
Elterngespräche? Welches könnten die Erwartungen der Eltern
sein? In welchen Nöten könnten die Eltern stecken? Antworten
auf solche Fragen versuchte ein Workshop von Frau Gisela
Knoll zu geben. In einem Einführungsreferat fasste sie die
Thesen von Michael Winterhoff zusammen, der das Verhältnis
von Eltern zu ihren Kindern an unzähligen Beispielen
studierte. In seinem Bestseller „Warum werden unsere Kinder
Tyrannen“ beschreibt der Autor verschiedene Typen von
Erziehungsverhältnissen. Diese Verhältnisse bestimmen in
hohem Masse die Erwartungen der Eltern an die Schule und
beeinflussen auch die Elterngespräche. Doch nicht allen
Erwartungen müssen die Pädagogen genügen. In Rollenspielen
versuchten die Pädagogen zum Beispiel herauszufinden, wann
brauchen Eltern Beistand bei ihren erzieherischen Aufgaben
und wie könnte eine Beratung aussehen. Wegen Zeitmangel
konnte der Workshop nicht abgeschlossen werden. Er wird am
13. März fortgesetzt.
Interview mit Frau
Gisela Knoll
Zusammen auf der Titanic untergehen! Die Ankunft am
Samstag im Waldseilgarten in Freiburg war alles andere als
gemütlich. Noch bevor wir uns umsehen konnten, waren wir auf
der Titanic, die leider vor wenigen Augenblicken einen
Eisklotz gerammt hatte und jetzt langsam im Wasser
unterging. Die kleinen Brettchen, die jeder erhalten hatte,
die dienten als Rettungsboote. Doch alleine hatte niemand
eine Überlebenschance. Schliesslich schafften wir es
gemeinsam. Nebst der Freude über die Rettung des ganzen
Teams wurde erfahrbar, welche sozialdynamischen Kräfte in
erlebnispädagogischen Konzepten stecken. Der Besuch war
sicher eine Erfahrung, die in die Planung von Lagern und
Erlebnistagen einfliessen wird.
Bilder
vom Untergang der Titanic
Die Minerva ist und bleibt eine innovative Schule. Neue
Konzepte und kreative Ideen finden schnell den Weg in den
Schulalltag. Doch nichts geht ohne gründliche Vorbereitung
und Information der Lehrerschaft. Die Einführung des
Portfolios als pädagogisches Konzept war dieses Jahr genau
so Teil der Weiterbildung wie der neue Trainingsraum für
„Störenfriede“. Neben diesen pädagogischen Neuerungen stand
aber auch die Minerva E-Learning-Plattform „Moodle“ wieder
auf der Agenda der Weiterbildung. Moodle vereinfacht nicht
nur die Kommunikation der Minerva MitarbeiterInnen
untereinander, sondern bietet ebenso auf einfache Art und
Weise die Möglichkeit, Formulare, Bilder und Lernmaterialien
via Internet auszutauschen. Da will auch die Lehrerschaft
gut vorbereitet sein. |
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Rote Karte für störendes Verhalten
Störungen im Unterricht sind so alt wie die Schule selbst.
Setzten früher Pädagogen noch den Rohrstock ein, so lösen
heute neue Konzepte die schwarze Pädagogik ab. Jüngstes
Beispiel ist die Einführung eines sogenannten
Trainingsraumes. Wer den Unterricht stört, muss in die Obhut
eines Sozialpädagogen. Im sogenannten Trainingsraum erhält
er die Möglichkeit, über sein Verhalten nachzudenken. Mit
diesem Vorgehen vereinheitlichen die Minerva Schulen Basel
das Vorgehen aller Lehrkräfte bei Störungen des
Unterrichtes.
Ein Kachelofen, eine Wandtafel, ein Gesprächstisch und ein
paar Arbeitsplätze am Rande des Zimmers – der Trainingsraum
im Wildensteinerhof der Minerva Schulen Basel ist eine
Mischung aus Schulzimmer und Gesprächsraum. An der Wand sind
die Grundsätze des Trainingsraumes angepinnt: Jede SchülerIn
hat das Recht ungestört zu lernen, jede LehrerIn hat das
Recht, ungestört zu unterrichten und alle müssen die Rechte
der anderen respektieren. Wer also hierher kommen muss, der
hat gegen diese Grundsätze verstossen.
„Es geht im Trainingsraum aber nicht darum, dass der
Jugendliche hier einfach eine Strafe absitzt und gehütet
wird“, betont Liv Rosendahl die Zielsetzung des neuen
Konzeptes. Störe ein Schüler oder eine Schülerin den
Unterricht, so könne dies die verschiedensten Gründe haben.
„Oft haben die Jugendlichen untereinander Zoff, haben
Liebeskummer oder auch Streit zu Hause. All das können
Ursachen sein, dass sie nicht mehr ruhig arbeiten können.“
Fazit: Oft würden diese Jugendlichen dann den Unterricht
stören. Die Lehrperson hat in der Regel während des
Unterrichts kaum die Möglichkeit, auf diese Störungen
einzugehen.
Anders ist die Situation im Trainingsraum. Hier stehen mit
Liv Rosendahl und Roland Meusel zwei Sozialpädagogen bereit,
die sich genau diesen Störungen und den dahinter liegenden
Fragen annehmen können. „Was ist passiert, wieso reagierst
du so, was hätte anders gehen können?“, sind Fragen, mit
denen Schüler sich dann beschäftigen müssen. Weiter müssen
sie sich auch Gedanken machen, wie sie wieder zurück in die
Klasse gehen können. Ohne ausgefüllten Rückkehrschein, der
aus zwei Seiten voller Fragen zur Konfliktsituation besteht,
geht das nicht.
Für Liv Rosendahl sind die ersten Erfahrungen ermutigend.
„Die Jugendlichen kommen oft geladen. Sie fühlen sich
ungerecht behandelt und nicht verstanden. Die Zeit hier und
die Gespräche helfen ihnen dann, wieder zur Ruhe zu kommen.
Es braucht in vielen Fällen nicht viel und sie können wieder
in den Unterricht zurückkehren. Viele kehren einsichtig
zurück oder sind zumindest nicht mehr so geladen. Dass
Einzelne den Unterricht dann weiter stören, das kommt nur in
den seltensten Fällen vor.“
Doch auch für diesen Fall haben die Sozialpädagogen
vorgesorgt. Beim dritten Trainingsraumbesuch muss der
Schüler einen Gesprächstermin mit der Klassenlehrperson
vereinbaren. Die Eltern werden schriftlich darüber
informiert. Beim sechsten Besuch bekommen die Eltern eine
Einladung zu einem Gespräch. Beteiligt sind hier die Eltern,
die Klassenlehrkraft und der Schüler/die Schülerin selbst.
Dem Programm liegt nicht die Methode der Bestrafung
zugrunde, sondern der Gedanke zur Hilfe. Von
„Kuschelpädagogik“ will Liv Rosendahl jedoch nichts wissen.
„Es hat nichts mit „laissez-faire“ zu tun, wenn wir zwischen
dem Verhalten der Jugendlichen und ihren Problemen einen
Zusammenhang sehen. Wir lassen die Jugendlichen nicht
alleine, sondern konfrontieren sie mit ihrem Verhalten. Das
ist ihnen oft viel unangenehmer als einfach eine Strafe
abzusitzen.“ Die Wirkung für die Persönlichkeitsbildung, die
sei aber ungemein viel grösser.
Der Trainingsraum wird rege genutzt. Der Lehrerschaft gibt
er die Möglichkeit, Unterrichtsstörungen nicht mehr auf
Kosten von Kraft, Nerven und Unterrichtszeit lösen zu
müssen. Zu Beginn war er während dreier Vormittagen
geöffnet. Aufgrund der Nachfrage und der positiven Wirkung
auf den Unterricht in den Klassen steht er mittlerweile
jeden Morgen zwischen 8.30 Uhr bis 12.40 Uhr zur Verfügung. |
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Klassenzimmer ohne
Wände
Lager gehören in den Realschulklassen der Minerva Schulen
Basel zum Schulprogramm wie der Turnunterricht oder der
Mathematikunterricht. Eine Beobachtung fernab der Schule
während der gemeinsamen Tage mit den Schülerinnen und
Schülern liessen die Pädagogen Rüdiger Binkle und Kathrin
Landis nicht mehr los. Weg vom Schulhaus wirkten die
Jugendlichen viel gelöster und im direkten Kontakt auch
zugänglicher. Schnell war die Idee geboren, die Realität im
Schulalltag monatlich für einen Tag aufzubrechen und an so
genannten Schulwaldtagen den Unterricht in die Natur zu
verlegen. Dabei soll es aber nicht um den
Naturkundeunterricht in der freien Natur gehen, auch
Mathematik und Sprachunterricht finden an den Waldschultagen
ihren festen Platz. Der erste Schulwaldtag fand am 8.
Februar statt.
In Zukunft bleiben einmal im Monat die Schulbänke der
Realklassen leer. Der Unterricht findet an den so genannten
Waldschultagen in der Umgebung des Robinson Spielplatzes in
Frenkendorf statt. Ziel dieses neuen Angebotes für die
RealschülerInnen ist es, in naturnaher Umgebung zu lernen.
Die Idee, das Schulzimmer in die Natur zu verlegen, ist für
die Klassenlehrpersonen Kathrin Landis und Rüdiger Binkle
nicht neu. Nachdem sie immer wieder über die entspannte
Atmosphäre unter den Jugendlichen erfreut waren, die in den
Klassenlagern herrschte, wurde es ihnen ein Anliegen,
Lageratmosphäre auch in den Alltag im Schulhaus „Wildensteinerhof“
einzubauen. So entstand die Idee der Waldschultage.
Ab dem neuen Semester geht die ganze Realschule einmal im
Monat auf ihre „Basisstation in der Natur“, auf den
Robinsonspielplatz in Frenkendorf. Dabei geht es nicht nur
um den Platz, den Lehrerin Kathrin Landis aufgrund privater
Kontakte für das Projekt gewinnen konnte. Vielmehr möchte
das Realschulteam auch den dahinter liegenden Wald in den
Unterricht einbeziehen. „Wir haben hier eine hervorragende
Infrastruktur“, meint Klassenlehrer und Abteilungsleiter
Rüdiger Binkle. „Neben dem Wald und dem Bach in
unmittelbarer Nähe steht uns auch die Infrastruktur des
Spielplatzes mit dem Pizzaofen, der Kochgelegenheit und den
Hütten zur Verfügung.“
Hier soll also Unterricht stattfinden. Dabei geht es aber
nicht darum, dass quasi im Rucksack der Schulstoff aus dem
Schulzimmer aufs Land mitgenommen wird. Vielmehr soll das
Angebot dieses einzigartigen Ortes genutzt werden, um die
Verbindung zwischen Lerninhalt und Anschauungsmaterial
herzustellen. „Wir können in der Natur ganz einfach Dinge
beschreiben, die wir ja direkt sehen“, erläutert Binkle das
Konzept. Auch für den Mathematikunterricht eröffnen sich
Lernfelder. „Wer kocht, der muss Mengen berechnen können.
Rechenfehler wirken sich spürbar aus.“
Doch nicht nur in den traditionellen Schulfächern wie
Naturkunde, Deutsch und Mathematik bieten sich Lernfelder
an. Auch Fachlehrkräfte anderer Fächer sollen immer wieder
einbezogen werden und an den Waldschultagen teilnehmen, so
zum Beispiel auch die Englisch- oder FranzösischlehrerInnen.
„Das Vokabular des Waldes können wir auch auf Englisch oder
Französisch lernen“, umschreibt der Heilpädagoge das
Lernfeld. „Auch Wegbeschreibungen könnten in einer
Fremdsprache erfolgen.“
Rüdiger Binkle hat aber noch ein ganz anderes Anliegen.
„Immer mehr Jugendliche leiden akut unter Bewegungsmangel.“
Oft sässen sie in ihrer Freizeit lange vor dem Fernseher
oder am Computer. Die Auswirkungen seien fatal.
Unbeweglichkeit und Übergewicht seien die Folgen. Da biete
der Wald und der Robinsonspielplatz viele Möglichkeiten und
wirke sicher motivierend. „Wer nur schon eine Hütte bauen
will, der muss sich bewegen!“ |
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